Sanitätsdienst und BG-Kliniken stärken sich für Krise und Krieg
Sanitätsdienst und BG-Kliniken stärken sich für Krise und Krieg
- Datum:
- Ort:
- Frankfurt am Main
- Lesedauer:
- 3 MIN
Bei Krisen oder in Kriegen hängt das Leben der Bürgerinnen und Bürger von der Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems ab. Die bestmögliche Versorgung ist aber nur im Verbund zwischen dem Sanitätsdienst der Bundeswehr und dem zivilen Gesundheitssystem zu schaffen. Ein Beispiel ist die Kooperation mit den Berufsgenossenschaftlichen Kliniken.
Die Fokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung erfordert nicht nur eine exzellente militärische, sondern auch eine robuste medizinische Infrastruktur, die den Anforderungen an eine resiliente Gesundheitsversorgung gerecht wird. Besonders in Krisen- und Kriegsszenarien, in denen täglich mit bis zu 1.000 Verwundeten gerechnet werden muss, zeigt sich die Bedeutung dieser Partnerschaften. Ein Beispiel hierfür ist die enge Zusammenarbeit zwischen dem BundeswehrZentralkrankenhaus Koblenz und der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Frankfurt (BG Klinik). Diese soll nun weiter ausgebaut werden: Die Ausweitung der Kooperation sieht unter anderem auch vor, dass medizinisches Fachpersonal für den Reservistendienst der Bundeswehr gewonnen werden kann.
Reservistendienst: Die Brücke zwischen Militär und Zivil
„Wir wollen die wehrmedizinische Expertise, die derzeit im Wesentlichen nur in den Bundeswehrkrankenhäusern verortet ist, wieder breiter in das zivile Gesundheitswesen transportieren“, unterstreicht Generalstabsarzt Dr. Johannes Backus als Kommandeur Gesundheitseinrichtungen und stellvertretender Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Die fünf Bundeswehrkrankenhäuser haben mit derzeit neun BG-Kliniken Kooperationen etabliert. Damit kann deutschlandweit eine medizinische Versorgung sichergestellt werden. „Mit Reservistendienstleistenden aus den BG-Kliniken schaffen wir die bestmöglichen Bedingungen für Krise und Krieg. Denn: Die für derartige Szenarien notwendige, hoch spezialisierte Kriegschirurgie bündelt sich somit nicht mehr nur an den fünf Standorten der Bundeswehrkrankenhäuser, sondern diese Expertise bringen wir mit dieser Kooperation auch in die BG-Kliniken und deren Anrainerkliniken“, so Backus.
Gemeinsame Ziele für die Zukunft
Der Sanitätsdienst der Bundeswehr und die BG-Kliniken haben mittlerweile ein stabiles Kooperationsnetzwerk aufgebaut, das sich seit mehr als fünf Jahren bewährt. Das Netzwerk basiert auf den gemeinsamen Zielen, die bestmögliche Versorgung von Verwundeten und die Wiederherstellung ihrer Gesundheit und idealerweise Rückkehr an den Arbeitsplatz zu ermöglichen. Beide Institutionen ergänzen sich in ihren Schwerpunkten und arbeiten daran, eine lückenlose Behandlungskette zu gewährleisten. „Hier sind sich die Institutionen sehr ähnlich, deswegen sind es ideale Partner zur Zusammenarbeit“, erklärt Backus. Um eine abgestimmte medizinische Versorgung im Falle von Krise und Krieg zu ermöglichen, soll das Kooperationsnetzwerk mit den BG-Kliniken auch stärker in die militärischen Übungen einbezogen werden.
In der BG-Unfallklinik Frankfurt konnten sich die Mitarbeitenden von der Arbeit und dem Arbeitsumfeld des Sanitätsdienstes persönlich überzeugen. In Führungen zeigten Sanitätskräfte, wie eine medizinische Versorgung im Krisen- und Kriegsfall aussieht. Dafür wurden Teile einer luftgestützten Behandlungseinrichtung vor Ort aufgebaut.
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Von der Rettung bis zur Rehabilitation
Wenn ein Soldat im Einsatz erkrankt oder auf dem Gefechtsfeld schwer verwundet wird, startet die Rettungskette der Bundeswehr. Die Erstversorgung erfolgt in der Regel durch geschulte Selbst- und Kameradenhilfe, bevor besonders qualifiziertes Sanitätspersonal eingreift und den Transport zu einer mobilen Behandlungsebene 2 organisiert. Dort wird der Patient stabilisiert, operiert und für die Weiterbehandlung vorbereitet. „Wir wollen im Ergebnis das gleiche Behandlungsresultat erreichen wie in zivilen Krankenhäusern“, betont Oberstarzt Dr. Gerhard Achatz, Klinischer Direktor für Orthopädie und Unfallchirurgie. Trotz der besonderen Herausforderungen vor Ort bleibt die Qualität der sanitätsdienstlichen Versorgung unverändert – ein Versprechen für die Soldatinnen und Soldaten, das jederzeit gilt.
Übergeordnetes Versorgungsprinzip ist eine sektorenübergreifende Behandlung von der Rettung bis zur abschließenden Rehabilitation. „Dabei ist es auch für uns nicht entscheidend, ob wir darüber sprechen, dass wir Patientinnen und Patienten vom Straßengraben bis zur Reintegration behandeln oder der Schützengraben der Ausgangspunkt ist“, betont Dr. Christoph Reimertz, Koordinator für die Unternehmenskooperation der BG-Kliniken mit den Bundeswehrkrankenhäusern.