Heer
Neue Struktur

Schnell und flexibel – das Kommando Hubschrauber

Schnell und flexibel – das Kommando Hubschrauber

Datum:
Ort:
Bückeburg
Lesedauer:
4 MIN

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Das neu geschaffene Kommando Hubschrauber kann gemäß dem traditionellen Schlachtruf der Heeresfliegertruppe „Nach –vorn!“, Mensch und Material schnell in den Einsatz schicken – dank kurzer Entscheidungswege. Denn das im niedersächsischen Bückeburg beheimatete Fähigkeitskommando vereint seit sechs Monaten die Führungs- und Fachverantwortung für alle Heereshubschrauber und Heeresflieger der Bundeswehr.

Ein Hubschrauber fliegt an einem Denkmal auf einem Berg vorbei.

Der Allrounder im Kommando Hubschrauber: mit dem Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90 der Heeresflieger am Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica, unweit von Bückeburg

Bundeswehr/Alexander Bozic

Heeresflieger sind mit ihren Hubschraubern sehr beweglich und können sich schnell an neue Situationen anpassen. Kaum aus Afghanistan zurück werden etwa die Faßberger Heeresflieger als Leitverband mit ihrem vielseitig einsetzbaren Hubschrauber NHNATO-Helicopter-90 sowie weiteres Personal und Material aus Niederstetten und Fritzlar in Mali eingesetzt. Ihr Auftrag: Sie sollen ab November erneut die Rettungskette für verwundete Soldaten gewährleisten. Das Besondere daran ist, dass sie diesen Part diesmal von einer zivilen Firma übernehmen, die den Auftrag derzeit aktuell noch umsetzt. Warum? „Weil wir es können“, so Brigadegeneral Ulrich Ott, Kommandeur des Kommandos Hubschrauber im niedersächsischen Bückeburg.

Nur noch ein Entscheider

Ein Hubschrauber schwebt über einem zerstörten Dorf und trägt eine Außenlast.

Hochwassereinsatz im Ahrtal: Jede Sekunde zählt. Das Kommando Hubschrauber wurde in Dienst gestellt, um Prozesse innerhalb der Bundeswehr zu vereinfachen und Zeit zu sparen.

Bundeswehr/Tom Twardy

Das Kommando Hubschrauber ist noch jung und wurde am 25. März 2021 in Dienst gestellt, um Prozesse innerhalb der Bundeswehr zu vereinfachen. Früher war bei Entscheidungen im Bereich der Heeresflieger die Koordination und Absprache von bis zu drei verschiedenen Stellen notwendig. Heute kann „mit einer Stimme“ aus diesem neuen Kommando heraus geplant und geführt werden.

„Seit sechs Monaten ist nun endlich zusammengeführt, was zusammengehört“, erklärt Ott. „Somit sind wir schneller geworden – sehr viel schneller. Unser Einsatz im Ahrtal etwa begann mit einer Vororientierung um 22 Uhr. Erste Hubschrauber waren am Folgetag um 10 Uhr im Einsatzgebiet und begannen umgehend mit der dringend benötigten Eilhilfe, zum Beispiel bei der Evakuierung eines Altenheimes, bei der am ersten Tag insgesamt 204 Personen vor der Flut gerettet werden konnten.

Die Fahrschule der Lüfte

Zwei Piloten in grüner Fliegerkombi arbeiten sitzend am Tisch an einer Karte.

Am Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum (IHTC) werden deutsche und internationale Besatzungen ausgebildet

Bundeswehr/Christian Vierfuß

Bevor es in den Einsatz geht, muss das Personal gründlich darauf vorbereitet werden. Das ebenfalls in Bückeburg beheimatete Internationale Hubschrauberausbildungszentrum (IHTC), das dem Kommando Hubschrauber unterstellt ist, leistet die fliegerische Grundausbildung aller deutschen Hubschrauberbesatzungen. Ebenso nutzen befreundete Nationen die Möglichkeit und lassen ihre Soldatinnen und Soldaten am Standort Bückeburg ausbilden.

Es wird theoretisches Wissen über Technik, Navigation oder Wetter vermittelt. Zugleich erlernen die angehenden Piloten natürlich das Fliegen der Hubschrauber. Dazu nutzt die Schulungseinrichtung moderne Simulatoren. Sie können die Umgebung und sogar Bewegungen der Maschine realitätsnah darstellen. Bis ins kleinste Detail ist alles so wie in einer echten Maschine, denn nur an baugleichen Arbeitsplätzen kann die Besatzung optimal auf die reale Flugsituation vorbereitet werden.

Training für den realen Einsatz

Drei weiße, kugelförmige Flugsimulatoren stehen in einer Halle hintereinander.

Auch für erfahrene Besatzungen hat die Simulatorausbildung einen Mehrwert. Hier können sie sich in sicherem Umfeld auf ihren Einsatz vorbereiten.

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Gute Vorbereitung auf den Einsatz ist alles. Gemäß den gültigen NATONorth Atlantic Treaty Organization-Anforderungen muss eine Hubschrauberbesatzung 140 sogenannte Realflugstunden, also echte Flüge, in einem Jahr nachweisen. Sind die Soldatinnen und Soldaten für einen Einsatz wie Mali vorgesehen, erhöht sich diese Zahl auf bis zu 180 Flugstunden. Mithilfe von Simulatoren können dabei besondere Szenarien, die dem realen Einsatz entsprechen, eingespielt werden. Das Ziel ist, dass Handlungsabläufe, etwa bei technischen Störungen oder unter speziellen Wetterbedingungen, wie in einem dichten Sandsturm oder bei Starkregen, für den Ernstfall sitzen.

Auch für erfahrene Besatzungen trägt die Simulatorausbildung einen besonderen Mehrwert: Mit einem Simulator kann man einen anstehenden Einsatz intensiv vorbereiten, ohne dafür im Einsatzland sein zu müssen. Beispielsweise kann das Gelände im entfernten Einsatzgebiet schon im Vorfeld und in sicherer Umgebung in der Ausbildung so abgebildet werden, dass sich die Besatzung auf alle Eventualitäten und Auswirkungen auf den Flug ausgiebig vorbereiten kann.

Erfolg durch das „Highlander-Prinzip“

Ein Soldat steht vor einer Bundesdienstflagge in seinem Büro.

Brigadegeneral Ulrich Ott ist der Kommandeur des Kommandos Hubschrauber in Bückeburg

Bundeswehr/Ralf Heberer

Das Kommando Hubschrauber kann durch seine gebündelte Führungs- und Fachverantwortung sicherstellen, dass Vorgaben optimal und ohne Umwege umgesetzt werden. „Mit der Aufstellung des Kommandos Hubschrauber greift das Highlander-Prinzip. Es kann nur einen geben – als Ansprechstelle beziehungsweise um die Einsatzanforderungen an die Heeresflieger umzusetzen“, verdeutlicht Ott. Zudem wird aus dem Kommando heraus gesteuert, welches der unterstellten Regimenter welchen Auftrag oder Einsatz erfüllen soll. Bei Bedarf ist es auch möglich, dass Ausbilderpersonal vom IHTC von Bückeburg direkt in den Einsatz entsandt wird – so wie im Juli bei der dringenden Eilhilfe im Ahrtal geschehen.

Warum Heeresflieger nach Mali?

Ein Hubschrauber schwebt über einem Feld mit Büschen in einem trockenen Gebiet.

Der Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90 ist für den Auftrag in Mali aufgrund seiner Vielseitigkeit prädestiniert

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Ende September 2021 begeben sich die ersten Heeresflieger nach Westafrika zum UNUnited Nations-Einsatz MINUSMAMission Multidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali (United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali). Die vielseitig einsetzbaren Hubschrauber vom Typ NHNATO-Helicopter-90 garantieren dort die Rettungskette zur Rettung von Verwundeten und erbringen so eine Fähigkeit, die bisher von einer zivilen Firma abgedeckt wurde.

„Im November 2021 beginnen wir vor Ort mit dem Flugbetrieb und sind ab Dezember voll einsatzbereit“, beschreibt Ott die Anforderungen an die Heeresflieger. „Dieser Auftrag ist nicht neu, da er schon 2017 erfolgreich durchgeführt wurde. Mit unserer Anwesenheit werden dann, im Bedarfsfall, Soldatinnen und Soldaten von Heeresfliegern aus der heißen Zone geflogen.“ Diese Teamleistung beginnt übrigens schon in Deutschland: In das 4.000 Kilometer entfernte Mali müssen nämlich erst einmal die benötigten 2.000 Tonnen Material gebracht werden. Die Verladung startet derzeit und dann heißt es in Kürze wieder für die Heeresflieger „Nach - vorn!“. 

von Ralf Heberer

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