Heer
Bereit fürs Gefecht

Leopard-Richtschützen auf dem Weg zur Perfektion

Leopard-Richtschützen auf dem Weg zur Perfektion

Datum:
Ort:
Weißkeißel
Lesedauer:
5 MIN

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Ein Koloss aus 60 Tonnen Panzerstahl, eine vierköpfige Besatzung, 1.500 Pferdestärken und eine gewaltige 120-Millimeter-Kanone machen den Kampfpanzer Leopard zu einer der effektivsten Waffen des Heeres. Doch im Gefecht zählen auch Präzision und Schnelligkeit. Die üben die Besatzungen des Panzerbataillons 393 in der Oberlausitz.

Ein Kampfpanzer mit starkem Mündungsblitz während der Schussabgabe.

Richtschützenausbildung in der Oberlausitz: Die Besatzungen des Panzerbataillons 393 zeigen, was in ihnen steckt. Für die Richtschützen ist es der erste scharfe Schuss nach wiederholten Übungen im Simulator.

Bundeswehr/Marco Dorow

Der Kampfpanzer Leopard in seiner aktuellsten Version 2 A7V ist für die Heeressoldatinnen und -soldaten von immenser Bedeutung. Er ist eines der wichtigsten Waffensysteme des Heeres. Seine Technologie ist auf die Landes- und Bündnisverteidigung zugeschnitten: Er vereint Schutz und Feuerkraft. Seine gepanzerte Hülle schützt die Besatzung vor feindlichem Feuer, während diese mit der Bordkanone zielsicher den Feind bekämpft. Auch in Sachen Mobilität ist der Leo dank seiner Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern exzellent. Nicht zu vergessen ist der psychologische Effekt: Allein seine Anwesenheit wirkt bedrohlich.

„Doch um diese Vorteile nutzen zu können, ist das Wichtigste die Besatzung. Sie, die vier Soldatinnen und Soldaten, bedienen im Gefecht den Kampfpanzer. Ist die Besatzung gut, kämpft der Panzer gut“, erklärt der für das bevorstehende Schießen verantwortliche Offizier. „Hier in der Ausbildung fokussieren wir uns auf die Richt- und Ladeschützen, also die Teile der Besatzung, die für den Einsatz der 120-Millimeter-Bordkanone verantwortlich sind.“

Von der Theorie zur Praxis

Ein Besatzungsmitglied ist Maik F. Der Hauptgefreite hat seine Grundausbildung abgeschlossen. In weiteren Lehrgängen hat er alles über das Schießen mit dem Kampfpanzer gelernt und mehrfach schon im Simulator geschossen. „Hier auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz schießen wir das erste Mal in realer Umgebung. Es ist aufregend: jetzt der erste scharfe Schuss nach so umfassender Ausbildung. Der Schritt von der Theorie zur Praxis, endlich.“

Maik F. ist Teil einer vierköpfigen Besatzung, die von einem Kommandanten im Dienstgrad Hauptfeldwebel angeführt wird. Der ist verantwortlich für das Gesamtkonzept des Gefechts, die Zielauswahl und die Kommunikation mit der übergeordneten Führung, dem Zug und der Kompanie. Sein Platz ist rechts oben im Panzer. Links im Turm ist der Platz des Ladeschützen. Er wählt die Munition aus und lädt die Kanone. Der Fahrer ganz vorn in der Panzerwanne steuert den Panzer. Er ist auch für die Navigation auf dem Gefechtsfeld zuständig.

Die Aufgaben des Richtschützen

Als Richtschütze bedient Hauptgefreiter F. die Bordkanone des Panzers. Er sitzt direkt vor dem Kommandanten, er zielt und schießt. Er erkennt und identifiziert feindliche Ziele, sei es über das Beobachtungs- und Zielsystem oder durch visuelle Wahrnehmung. Maik F. muss die Ziele klar benennen, also etwa feindliche Infanterie, Fahrzeuge, stehend oder in Bewegung unterscheiden und diese dem Kommandanten melden. Der macht dann taktische Zielvorgaben.

In der gedeckten Aufstellung im dichten Hochwald nahe der Schießbahn munitionieren die Besatzungen derweil die Panzer auf, die erste Übung steht auf dem Plan. Über 40 Patronen finden im Panzer Platz. Dann geht jeder gedanklich nochmal seine Aufgaben durch. Die Spannung steigt.

Nicht nur bedienen, beherrschen ist das Ziel

Drei Kampfpanzer fahren mit seitlich verschwenkten Türmen in Richtung Schießbahn.

Bei den Schießübungen stehen die Besatzungen unter Druck. Es bleibt nicht viel Zeit, die gegnerischen Ziele zu treffen. Brauchen die Besatzungen zu lange, wird die Übung wiederholt.

Bundeswehr/Marco Dorow

„Wir bauen das Schießen vom Leichten zum Schweren auf. Zuerst schießen die Panzer einzeln für sich. Es müssen stehende Ziele in unterschiedlichen Entfernungen getroffen werden, später auch Ziele in Bewegung und in der Nacht. Wir steigern uns stetig“, kündigt der verantwortliche Offizier an. „Gegen Mitte der Woche wollen wir mit bis zu vier Panzern parallel schießen. Dann ist neben der Präzision der Richtschützen auch die Kommunikation innerhalb des gesamten Panzerzuges gefragt.“

Die Vorbereitung sind abgeschlossen. Es geht los: Langsam, aber mit deutlich spürbaren Vibrationen im Boden, rollen die schweren Panzer auf die Schießbahn. Mit dem Setzen der roten Flaggen am Panzer signalisieren die Besatzungen Schießfreigabe. Das bedeutet auch, dass die Laseranlagen der Panzer in Funktion sind. „Die Laser sind für uns sehr wichtig. Wir messen damit die Entfernung zum Ziel – eine Grundvoraussetzung, um gut treffen zu können“, so Hauptgefreiter Maik F.

Bei voller Fahrt

Der Richtschütze visiert das identifizierte Ziel an, wobei die Feuerleitanlage dabei hilft, es exakt zu erfassen und dabei das Wetter oder die Eigengeschwindigkeit des Ziels zu berechnen und zu berücksichtigen. Richt- und Ladeschützen arbeiten in diesem Moment eng zusammen. Der Ladeschütze stellt sicher, dass die richtige Munition geladen ist. Der Richtschütze richtet die Bordkanone auf das Ziel und löst den Schuss, wenn das Feuerkommando des Kommandanten kommt.

„Nach dem Schuss beobachten wir Richtschützen das Ziel weiter, um festzustellen, ob wir getroffen haben oder nachladen müssen“, erklärt F. „Falls notwendig, nehmen wir Anpassungen vor und feuern erneut.“ Die Technologie des Panzers erlaubt all diese Tätigkeiten in voller Fahrt. Das verlangt aber von der Besatzung höchste Konzentration.

Auch bei Dunkelheit immer im Ziel

Ein Kampfpanzer steht nachts zwischen Betonblöcken und feuert mit gewaltigem Mündungsblitz.

Nach einem langen Tag auf der Schießbahn geht es für die Besatzungen in das Nachtschießen. Auch jetzt beweisen sie Nervenstärke.

Bundeswehr/Marco Dorow

Die Prozesse innerhalb der Besatzungen laufen mit jedem neuen Ziel immer wieder von vorn ab. Maximal 30 Sekunden hat die Panzerbesatzung Zeit, auf das Ziel zu schießen, danach verschwindet es wieder. Schaffen sie es nicht, muss die Übung wiederholt werden“, so der leitende Offizier. Auch in der Realität habe die Panzerbesatzung nicht ewig Zeit, um den Gegner zu bekämpfen. Wenn die Besatzung versage, seien erst einmal alle betroffen. Das sorge aber dafür, dass sie ihre Kommunikation verbessern und die Handgriffe besser abstimmen würden, erläutert der Offizier.

Kurz vor Anbruch der Dunkelheit stehen zwei Kampfpanzer auf der Schießbahn und kämpfen gemeinsam. Die Anspannung steigt weiter. Jetzt müssen sich zwei Besatzungen abstimmen, um sich die Ziele zuzuweisen. Das braucht Übung und einen klaren Kopf.

Zwischen den Übungsdurchgängen nehmen die Besatzungen immer wieder Munition auf. Mit modernsten Fahrzeugen der HX Familie, die für schwersten Materialtransport in äußerst unwegsamem Gelände konzipiert sind, bringen die Soldatinnen und Soldaten der Munitionsgruppe die Geschosse. Das ist wichtig, denn so können sich die Panzerteams schnell wieder ihrem Auftrag widmen: der Ausbildung der Richtschützen und dem Kampf gegen gegnerische Ziele –  bei Tag, bei Nacht und schlechter Sicht.

Das Panzerbataillon 393 in der Oberlausitz

  • Ein Soldat mit schwarzem Barett blickt entschlossen in die Kamera.

    Der Kommandeur des Panzerbataillons 393, Oberstleutnant Carsten Oberländer (l.), ist dabei, wenn seine Richtschützen zeigen, was sie können

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Ein Soldat verschiebt am Sandkasten Panzersilhouetten.

    Die Besatzungen gehen vor dem Schießen am Geländesandkasten, einem nachgebauten Modell des Terrains, alles nochmal genau durch

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Ein Kampfpanzer schießt in Richtung aufgestapelter Betonsteine, ein Mündungsfeuer entsteht.

    Mit reichweitengesteigerter Munition erreicht der Leopard 2 A7V eine Kampfentfernung von 5.000 Metern

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Soldatinnen und Soldaten stehen im Halbkreis um einen Geländesandkasten, ein Ausbilder erklärt.

    Jeder Übungsdurchgang wird, wie hier am Geländesandkasten, bis ins Detail nachbesprochen. So werden Fehler nur einmal gemacht.

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Ein Kampfpanzer kurz nach der Schussabgabe noch im Staub gehüllt.

    Der Kampfpanzer Leopard 2 A7V ist der zurzeit modernste seiner Art, das V steht für Verbesserung

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Zwei Kampfpanzer mit starkem Mündungsblitz während der Schussabgabe

    Kraftfahrer, Ladeschütze, Richtschütze und Kommandant gehören zur Kampfpanzerbesatzung. Wenn jeder seine Aufgabe fehlerfrei erfüllt, wird aus dem Leoparden eine sehr gefährliche Waffe.

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Ein Kampfpanzer mit einer hellen grünen Leuchte am Turm.

    Sicherheit beim Nachtschießen: Die sogenannte Schießampel am rechten Heck des Panzerturmes gibt Aufschluss über die Sicherheitszustände des Panzers. Grün bedeutet Sicherheit am Waffensystem hergestellt, Laseranlage ausgeschaltet.

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Soldaten reichen Munition auf das Topdeck eines Kampfpanzers.

    Vor den Übungsdurchgängen wird der Panzer mit Munition versorgt. Die gesamte Besatzung unterstützt dabei.

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Ein Soldat trägt eine weiß-blaue Patrone.

    Die Panzerbesatzung verwendet je nach Ziel verschiedene Munitionsarten. Es gibt Sprengmunition oder Munition mit sehr hoher kinetischer Energie. Für Übungsplätze gibt es spezielle Übungsmunition. Diese ist hellblau gekennzeichnet.

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Ein Panzer schießt während der Fahrt, ein großer Feuerball entsteht an der Kanonenmündung.

    Die Waffenanlage des Kampfpanzers ist stabilisiert. Das bedeutet, dass er auch während der Fahrt Ziele anvisieren und treffen kann.

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Im Gelände steht ein Lkw-Anhänger, darauf Paletten mit Munition.

    Mit neuen modernen Schwertransportern versorgt die Munitionsgruppe die Panzerbesatzungen auch in schwerem Gelände mit Nachschub. Bis zu 42 Patronen kann ein Kampfpanzer bunkern.

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Ein Soldat mit Wasserschlauch reinigt das Laufwerk eines Panzers.

    Nach der Übung ist vor der Übung. Die Besatzungen reinigen die Panzer nach dem Aufenthalt auf dem Übungsplatz.

    Bundeswehr/Marco Dorow
von René Hinz

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