Cyber- und Informationsraum
Wenig bekannte Spezialeinheit

LEKE – Elektronischer Kampf tief im Feindesland

LEKE steht für „Luftlandefähige Komponente für den Elektronischen Kampf zur Nahunterstützung im Einsatz“. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich eine ebenso wichtige wie auch weitgehend unbekannte Spezialeinheit. Mental und körperlich topfit muss die Truppe für ihre oft geheimen Aufträge in kürzester Zeit an jeden Ort der Welt verlegen können.

Ein Soldat mit einem Gewehr und einem Sensor im Wald knieend.

Dass in der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum (CIRCyber- und Informationsraum) die Expertinnen und Experten für ITInformationstechnik und Kommunikation der Bundeswehr Dienst leisten, ist bekannt. Wer würde dabei jedoch an Elite-Kämpfer, Stellungen hinter feindlichen Linien und Infiltration aus der Luft denken? Dabei gehören diese Fähigkeiten schon seit Jahren zum Fähigkeitsspektrum einer handverlesenen und kaum bekannten Truppe. Wir geben einen exklusiven Blick auf das schärfste Schwert der Bundeswehr im Elektronischen Kampf.

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CIRCyber- und Informationsraum verfügt mit LEKE über hochspezialisierte Kräfte, die mit absoluter Expertise unter den härtesten und gefährlichsten Bedingungen weltweit binnen kürzester Zeit einsatzbereit sind
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Ein gut gehütetes Geheimnis

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  • Sechs LEKE-Soldaten gleiten am Fallschirm in der Dämmerung Richtung Boden
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    Lautlos aus dem Himmel

    „Luftlandefähige Komponente für den Elektronischen Kampf zur Nahunterstützung im Einsatz“: Das geht zunächst weniger flüssig über die Lippen als „KSKKommando Spezialkräfte“ oder „KSMKommando Spezialkräfte der Marine“. Dennoch ist die Schnittmenge zu diesen Spezialkräften groß: Unentdeckt, lautlos und hochwirksam agieren – das alles trifft auch auf LEKE zu. Die Truppe sammelt wichtige Informationen in schwierigen Einsatzsituationen, stört die gegnerische Kommunikation und operiert im Nahbereich von Zielpersonen. Sie ist häufig als Dienstleister für die schon genannten Spezialkräfte in der Bundeswehr im Einsatz und wesentlicher Bestandteil vieler Operationen. Die Öffentlichkeit erfährt von diesen meist nichts, um die militärische Sicherheit und damit den Erfolg der Missionen nicht zu gefährden. Dass L im Kürzel der Einheit macht deutlich, dass sie ebenso wie ihre „Bedarfsträger“ bei Heer und Marine mit dem Flugzeug oder mit Hubschraubern verlegt werden kann. Durch den Absprung per Fallschirm kann sie ein Zielgebiet schnell und unentdeckt erreichen. Das ist essenziell, denn der Einsatzort ist in der Regel nicht erschlossen und gesichert. Der Elektronische Kampf wird dann auf kurze Distanz geführt: Zwischen den LEKE-Trupps und feindlichen Kräften liegen im Extremfall nur wenige Meter. Umso wichtiger ist es daher, schnell und mit größter Sorgfalt zu operieren, da eine Entdeckung schnell zum Scheitern der Mission führen kann. 

  • Zwei Soldaten knien in hohem Gras. Einer hält einen Sensor in der Hand.
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    Einsatz unter extremen Bedingungen

    Ob sich das Zielgebiet der Trupps im Dschungel, in der Wüste, am Polarkreis oder in einer Stadt befindet, spielt keine Rolle: Binnen maximal 72 Stunden müssen Mensch und Material vor Ort sein, oft auch deutlich schneller. Der Auftrag an sich ist vergleichbar mit dem der Fernspäher: unentdeckt zum Ziel gelangen, aufklären und anschließend ebenso unentdeckt wieder verschwinden. LEKE bringt dabei modernste und in Teilen geheime Sensoren möglichst nah ans Ziel, um damit Feindkräfte abzuhören oder auch ein Ziel über elektromagnetische Wellen wie Funk und Handynetz zu orten. Diese Aufgabe macht es erforderlich, nahezu vollständig mit der Umgebung zu verschmelzen. Bei perfekter Ausführung können die Soldaten sich und ihre Sensoren unbemerkt bis auf wenige Meter an den Feind heranbewegen. Wozu der Zug eingesetzt wird, ist vielfältig: Festzustellen, ob sich Feinde im Operationsraum aufhalten, gehört ebenso zum Fähigkeitsspektrum wie die Lokalisierung von Geiseln oder auch eine Unterstützung in der Terrorismusbekämpfung. Alle Missionen eint ein Faktor: Wenn LEKE zum Einsatz gebracht wird, ist ein Punkt erreicht, bei dem andere Einheiten schon längst an ihre Grenzen gekommen wären.

  • Ein LEKE-Soldat beim Absichern einer Einmündung mit Gewehr G36 im Anschlag.
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    Kämpfen – elektronisch und infanteristisch

    Aufspüren, orten und analysieren von elektronischen Signalen, so kann der Kernauftrag von LEKE kurz zusammengefasst werden. Die Besonderheit hierbei besteht vor allem in der teils extremen Nähe zu Feindkräften sowie der Einbindung in hochriskante, weltweit stattfindende Missionen. Um dabei zu bestehen, benötigt es zweierlei: zum einen das Know-how für die sensible und in Teilen geheime Technik des Elektronischen Kampfes (EloKaElektronische Kampfführung) als Werkzeug für den Auftrag und zum anderen die infanteristischen Fähigkeiten, um sich in den gefährlichen Einsatzräumen bewegen zu können. 

    Die LEKE-Soldaten beherrschen beides perfekt. Sowohl der Umgang mit den Sensoren als auch der infanteristische Kampf müssen über Jahre erlernt und konstant beübt werden. „Der Wille, sich stetig weiterzuentwickeln“, wie es ein Operator der Truppe zusammenfasst, ist essenziell, denn so wie sich die Technik stetig weiterentwickelt, tun dies auch die Gegner in ihren Fähigkeiten. Den Luxus, sich auf bestimmte Einsatzszenarien oder -gebiete einzugrenzen, kann das Team sich dabei nicht leisten. Eine Mission gegen Aufständische oder Terroristen ist für LEKE ebenso denkbar wie die Einbindung in die Landes- und Bündnisverteidigung. 

  • Ein LEKE-Trupp im Wald mit Gewehren im Anschlag, im Hintergrund wurde eine Rauchgranate als Sichtschutz gezündet.
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    Einzelkämpfer unerwünscht

    Wie wird man Teil einer Spezialeinheit wie LEKE? Die Anforderungen sind hoch und wer es geschafft hat, ist zugleich Experte im elektronischen wie auch im infanteristischen Kampf. Dennoch ist jede erfolgreiche Mission eine Teamleistung und niemand kämpft alleine. Der Umgang innerhalb der Truppe ist freundschaftlich bis familiär, man verlässt sich aufeinander. Daher sind es vor allem auch die mentale Belastbarkeit sowie die Teamfähigkeit, die einen LEKE-Angehörigen auszeichnen. Wer alle Hürden der anspruchsvollen EloKaElektronische Kampfführung-Ausbildung und die körperlichen und infanteristischen Voraussetzungen gemeistert hat, ist irgendwann „combat ready“. Was dann folgt, können Einsätze in sengender Hitze, arktischer Kälte, tief im Feindesland und mit ungewisser Dauer sein. Unentdeckt zu bleiben bedeutet auch, vielleicht tagelang ausharren zu müssen und dabei stets wachsam zu sein, jederzeit bereit, den Kampf aufzunehmen. Wer nicht willens ist, sich diesen Herausforderungen im Team zu stellen, für den ist kein Platz. Für Bewerberinnen und Bewerber finden jährliche Auswahlverfahren statt, um die Aspiranten an ihre physischen und mentalen Grenzen zu führen und damit zu prüfen, wer auch bei Erreichen dieser Grenzen noch fähig für den Auftrag ist. Die Durchfaller-Quoten sind hoch. Wer es jedoch schafft, darf sich zu einer eingeschworenen Kampfgemeinschaft, einer ganz besonderen Einheit zählen: den LEKE-Kräften des Cyber- und Informationsraums.

    von Maximilian Bosse & Lea Bacherle 

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