Marinearsenal

Fregatte „Hamburg“ in der Instandsetzung

Fregatte „Hamburg“ in der Instandsetzung

Datum:
Lesedauer:
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Militärschiffe müssen in festgelegten Intervallen einer technischen Überprüfung unterzogen werden. Dabei werden gleichzeitig notwendig gewordene Modernisierungsarbeiten durchgeführt. Im Marinearsenal Wilhelmshaven durchläuft die Fregatte „Hamburg“ gerade eine sogenannte Depotinstandsetzung.

Militärschiff in einem Hafen

Die "Hamburg" ist in Wilhelmshaven angekommen - die Instandsetzung kann beginnen

Bundeswehr/Susanne Krause-Weers

Während der Liegezeit werden alle Verschleißteile des Schiffes „auf Herz und Nieren“ geprüft und gegebenenfalls ausgetauscht. Daneben werden notwendig gewordene Produktänderungen oder -ergänzungen ebenso umgesetzt wie umfangreiche sicherheitstechnische Überprüfungen. Dazu gehört beispielsweise auch die Kontrolle der Tanks und Lüftungsanlagen. Sogar Umbauten, die aufgrund geänderter allgemeiner Standards erfolgen müssen, zählen zu den Herausforderungen bei der Depotinstandsetzung.

Sorgfältige Planungen

Am Anfang aller notwendigen Arbeiten steht jedoch immer die konkrete Planung der Abläufe.
Denn wenn ein Schiff erst einmal im Bauhafen des Marinearsenals eingelaufen ist, muss jeder Handgriff sitzen. Alle Maßnahmen müssen reibungslos und ohne große zeitliche Verzögerungen durchgeführt werden können, Hand in Hand. Eine große Herausforderung, denn an manchen Tagen sind immerhin mehrere hundert Personen gleichzeitig auf oder am Schiff beschäftigt. 

Ein Schwimmdock mit einem großes Baugerüst mit grünen und weißen von innen beleuchteten Planen.

Im Bauhafen ist die „Hamburg“ für eine planmäßige große Werftliegezeit im Schwimmdock vollständig hinter dem Baugerüst verschwunden.

Bundeswehr/Susanne Krause-Weers

Der Instandsetzungsbeauftragte und sein Team arbeiten daher ein ganzes Jahr auf diesen Zeitpunkt hin und planen alle Abläufe minutiös. Was wann und wo auf dem Schiff passiert, wird eben nicht dem Zufall überlassen werden.

Außerdem werden schon weit im Vorfeld einer Depotinstandsetzung alle erforderlichen Gewerke nach den gesetzlichen Vorgaben extern ausgeschrieben. Denn die eigentliche Umsetzung der Arbeiten erfolgt größtenteils durch Fachfirmen, deren Leistungen logistisch aufeinander abgestimmt sein müssen. 

Aufwändige Vorbereitung auch an Bord

Im Inneren der Fregatte erkennt man schnell, dass sie sich in eine Großbaustelle verwandelt hat. In fast jeder freien Ecke sind Metallgitterboxen mit demontierten und zuvor sorgfältig gekennzeichneten Rohren und Abdeckungen zu finden. 
Überall sind provisorische, durchsichtige Schläuche verlegt. Durch diese erfolgt die externe Klimatisierung des Schiffes beziehungsweise die Absaugung von Stäuben und Gasen, die bei Heißarbeiten entstehen. 

Von einem großen Gerüst umgebener Teil des Schiffes

Alles vorbereitet für die Konservierung

Bundeswehr/Michael Seidel

Durch das geregelte Klima an Bord wird auch sichergestellt, dass kein Kondenswasser entstehen kann. Dies ist wichtig für die Konservierungsarbeiten am Schiffsrumpf, aber auch für die gesamte Elektronik an Bord, die ansonsten Schaden nehmen könnte.  
Ebenso sind unzählige vorübergehende Kabel für die Beleuchtung und zum Betreiben der Arbeitsgeräte verlegt. 

Militärische Komponenten werden vom Marinearsenal gewartet

Bevor die Firmenangehörigen auf das Schiff gelangen und loslegen können, sind aber zunächst die Fachleute des Marinearsenals gefragt.

Angehörige des Marinearsenals entfernen ein Radar vom Schiff

Alle militärischen Komponenten werden entfernt, bevor die Firmenkräfte mit den Instandsetzungsarbeiten beginnen

Bundeswehr/ Susanne Krause-Weers
Ein Mann in blauer Arbeitsjacke steht am Verschluss eines Geschützes auf einer grauen Lafette.

Das Arsenal ist vor allem für die Wartung der militärischen Ausrüstung der Flotte zuständig. Hier ein Werftmitarbeiter an einem Marineleichtgechütz, Kaliber 27 Millimeter.

Bundeswehr/Susanne Krause-Weers

In der sogenannten „Marinearsenalliegezeit 1“ bauen diese Fachleute sämtliche militärischen Waffen-, Radar-, Sonar- und Elektroniksysteme aus dem Schiff aus: Denn diese werden als Kernaufgabe des Marinearsenals immer im „Arsenalbetrieb“ gewartet und instandgesetzt. 

„Was von der Fregatte übrig ist, kann man in etwa so beschreiben: Stellen Sie sich ein Kreuzfahrtschiff von gut 300 Metern Länge und fast 45 Metern Breite mit all der darin verbauten Technik vor, das jetzt auf 143 Meter Länge und gut 17 Meter Breite geschrumpft wird. Heraus kommt ein kleines, extrem dicht gepacktes Schiff“, erklärt ein Ingenieur des Teams.

Auch wenn sie diese nicht selbst durchführen - sämtliche Maßnahmen der schiffstechnischen Instandsetzung werden von den Fachleuten des Marinearsenals intensiv begleitet. 

Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass alle Arbeiten im vorgesehenen Zeitrahmen erledigt werden. Und sie sind zur Stelle, wenn auf unvorhersehbare Herausforderungen schnell reagiert werden muss.

Fachkundige Firmen für unterschiedlichste Gewerke

Die Art und der Umfang einer Depotinstandsetzung kann von Schiff zu Schiff sehr unterschiedlich sein.

Ein großer, grauer Dieselmotor hängt an einem Kranhaken.

Eine lange Werftliegezeit bedeutet in der Regel Arbeiten tief im Schiffsinnern. Hier wird einer der beiden Antriebsdieselmotoren in die „Hamburg“ eingebaut. Alle Decks darüber waren zuvor entfernt worden.

Bundeswehr/Susanne Krause-Weers

So werden an der Fregatte „Hamburg“ die Motoren getauscht. Die bisher eingebauten werden nach rund 30.000 Betriebsstunden generalüberholt - dem Vielfachen der gesamten Laufleistung eines normalen Pkw-Motors. Für diese Aufgabe sind Fachleute für Motor- und Schiffsmaschinenbau gefragt. 

Stahlwand auf dem Schiff mit ausgebauten Fenstern

Während an anderen Stellen noch abgebaut wird, ist hier schon alles für die neue Lackierung vorbereitet

Bundeswehr/Michael Seidel

Ganz anders verhält es sich bei der Renovierung der Unterkunftskabinen. Für deren Rückbau müssen zum Beispiel nicht nur Wände entfernt, sondern zuvor alle elektrischen und wasserführenden Leitungen professionell unterbrochen werden. Außerdem sind – fast wie in einem Haus – auch Fachkräfte für den Innenausbau sowie für Mal- und Lackierarbeiten mit dabei.

Eine Person nimmt Schweißarbeiten an einer Wand vor

Wenn die vorhandenen Zugänge zu klein sind, müssen andere Wege gefunden werden

Bundeswehr/Susanne Krause-Weers
Blick durch eine geöffnete Schiffswand auf einen Container

Die Kombüsen-Ausstattung wird so über eine temporäre Öffnung der Außenhaut des Schiffes getauscht

Bundeswehr/Michael Seidel

Aufgrund eines inzwischen höheren Hygienestandard in der Lebensmittelverarbeitung muss auch die Ausstattung der Kombüse auf der Fregatte „Hamburg“ angepasst werden. Über eine neu geschaffene Öffnung in der Außenhaut des Schiffes werden Kochgruppe und Theke ersetzt. Dazu müssen die gesamte Innenverkleidung inklusive der Isolierung der Schiffshülle entfernt und sämtliche Strom- und Wasseranschlüsse zurück gebaut werden.

Nach Instandsetzung und Umbau folgt die Abnahme

Nach dem Einbau der neuen Ausstattungen und dem Schließen von temporären Öffnungen in der Außenhaut des Schiffes sowie dem Wiederherstellen der Innenverkleidung ist wieder die „Bauleitung“ des Marinearsenals gefordert. Sie führt die Qualitätssicherung durch und erstellt die Fertigmeldung aller Instandsetzungsarbeiten. Die abschließende Abnahme der gewerblichen Leistungen führt der Instandsetzungsbeauftragte kurz nach der mehrtägigen Werftprobefahrt durch. 

Während der Werftprobefahrt wird das Schiff im normalen Seefahrtbetrieb bis ins Detail geprüft. Danach schließt sich die sogenannte „Marinearsenalliegezeit 2“ an, in der die reparierten und geprüften Waffen-, Radar-, Sonar- und militärischen Elektroniksysteme vom Fachpersonal des Marinearsenals wieder eingebaut werden.

Die Fregatte Hamburg von seitlich vorn mit einem Schlepper vor ihr

Bereit, um wieder in See zu stechen - die Fregatte "Hamburg" beim Ausdocken

Bundeswehr/Leon Rodewald

Nach umfangreichen Tests im Hafen sticht das Schiff dann schließlich in See, um die Einsatzfähigkeit in mehrtägigen Funktionsnachweisen unter Beweis zu stellen. Erst nach erfolgreichem Abschluss aller Tests wird das Schiff dann wieder an die Deutsche Marine übergeben.

„Wir begleiten ein Schiff nicht nur während der gesamten Dauer der Instandsetzung. Auch die Werftprobefahrt als Abschluss der durch die gewerbliche Wirtschaft erbrachten Leistungen gehört dazu - und natürlich die Übergabe des generalüberholten Schiffs an die Deutsche Marine,“ erklärt der Instandsetzungsbeauftragte.

Viel Zeit bleibt dem Team des Marinearsenals danach aber nicht. Das nächste Schiff der Marine ist bereits zur Depotinstandsetzung angemeldet.
 

von PIZ AIN 

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