„Rollende Werkstatt“ in Mali: Geheimwaffe des Spähtrupps

„Rollende Werkstatt“ in Mali: Geheimwaffe des Spähtrupps

Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
4 MIN

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GSIGefechtsschadeninstandsetzung – hinter diesen drei Buchstaben verbirgt sich der Gefechtsschaden-Instandsetzungstrupp. Zu diesem gehört eine „rollende Werkstatt“ auf einem speziell ausgerüsteten Dingo 2, einem Allschutz-Transport-Fahrzeug. Mit an Bord: Stabsfeldwebel Sven R. sowie seinen Soldatinnen und Soldaten. Gemeinsam begleiten sie einen Spähtrupp bei einer Operation in der Wüste im Norden Malis.

Die Aufklärer brechen auf zum Spähtrupp

Zwei Spähwagen in der Wüste

Der Spähtrupp macht sich mit seinen Aufklärungsfahrzeugen „Fennek“ auf den Weg aus der Wüste in Richtung des Flusses Niger

Bundeswehr/Michael Meiler

In der Wüste im Norden Malis: Im Morgengrauen macht sich ein Spähtrupp mit seinen Spähwagen „Fennek“ auf den Weg zum größten Fluss Malis, dem Niger. Die Spähwagen mitsamt einer Besatzung von je drei Soldaten gehören zu der Aufklärungskompanie des 12. Deutschen Einsatzkontingents. Sie befinden sich auf einer Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen im Norden Malis (MINUSMAMission Multidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali). Der Auftrag lautet: Straßen und Wege erkunden und ein Team an Experten der zivil-militärischen Zusammenarbeit (CIMICMultinational Civil-Military Cooperation Command) sicher in ein bestimmtes Dorf eskortieren. Das CIMICMultinational Civil-Military Cooperation Command-Team hat die wichtige Aufgabe, ein ziviles Lagebild zu erstellen und die militärische Führung zu beraten. Das gelingt ihnen nur, wenn sie eine enge Verbindung zur Regierung, internationalen Organisationen und vor allen Dingen zur einheimischen Bevölkerung halten. Sobald sie im Dorf angekommen sind, stehen deshalb Beobachtungen und Gespräche mit Einheimischen auf dem Programm. Die gewonnenen Informationen dienen dann der Umsetzung verschiedener zivil-militärischer Projekte – ganz im Sinne des multidimensionalen Ansatzes der Mission.

Damit der Trupp sicher an sein Ziel kommt, legen die Aufklärer ein besonderes Augenmerk auf die Erkundung der sogenannten „behelfsmäßigen Spreng- und Brandvorrichtungen“ (IEDs). Diese Kampfmittel werden von Aufständischen, Rebellen und Terroristen bevorzugt genutzt und stellen weltweit die größte Bedrohung für reguläre Kräfte in den Einsatzgebieten dar. Immer wieder werden diese improvisierten Sprengfallen auch der malischen Bevölkerung zum Verhängnis, wenn die Menschen abseits asphaltierter Wege unterwegs sind und sie versehentlich auslösen. Deshalb achten die Soldatinnen und Soldaten immer auf auffällige Veränderungen im Gelände, die auf Sprengfallen hindeuten können.

Spähtrupp in schwerem Gelände

Treibsand, Fels und je nach Witterung und Jahreszeit sogar Schlamm: Die Operationen der Aufklärungskompanie führen den Spähtrupp oftmals in „schweres Gelände“. Die Bedingungen sind ‑ abhängig von der Bodenbeschaffenheit in der Wüste und der Savanne im Norden Malis ‑ nicht mit jenen in Europa zu vergleichen. Das Gelände fordert nicht nur den Fahrerinnen und Fahrern, sondern auch den Fahrzeugen alles ab. Eine besondere Belastung für die Reifen stellen dabei Geröllfelder mit spitzem Lavagestein dar. Dieses ist in der Lage, die Reifen regelrecht aufzuschlitzen. Hinzu kommt die extreme Trockenheit mit manchmal nur 10 Prozent Luftfeuchtigkeit – kombiniert mit einer enormen Hitze von bisweilen über 40 Grad Celsius.

„Reifenplatzer, ausgeschlagene Fahrwerksteile bis hin zum Achsenabriss – das kann bei diesem schweren Gelände schnell passieren“, erklärt Stabsunteroffizier Christian P. Er ist Instandsetzungsunteroffizier für gepanzerte Radfahrzeuge. „Auch die Klimaanlagen der Fahrzeuge sind durch den Dauerbetrieb einer hohen Belastung ausgesetzt.“ Deshalb ist der GSIGefechtsschadeninstandsetzung mit seinem speziell ausgerüsteten Dingo 2 bei jeder dieser Operationen unerlässlich.

Gefechtsschaden-Instandsetzungstrupp in Aktion

Ein kaputter Reifen

Einem Aufklärungsfahrzeug „Fennek“ ist im Gelände der Reifen geplatzt – klarer Fall für den GSIGefechtsschadeninstandsetzung

Bundeswehr/Floyd Bott


Nach einigen Kilometern passiert es: Einem der Aufklärungsfahrzeuge platzt abseits befestigter Straßen im Gelände ein Reifen. Der Spähtrupp stoppt und verteilt sich auf Befehl des Spähtruppführers, um den beschädigten „Fennek“ weiträumig im Gelände zu sichern. Nach einer ersten Sichtung des Schadens wird den Aufklärern klar: Das ist ein Fall für den GSIGefechtsschadeninstandsetzung. Über Funk rufen sie das Team von Stabsfeldwebel Sven R. zu sich.

Es dauert nicht lange, und der GSIGefechtsschadeninstandsetzung ist mit seinen Fahrzeugen beim Spähtrupp eingetroffen. „Erste Priorität bei der Instandsetzung im Gelände ist es, ein beschädigtes Fahrzeug mindestens wieder rollfähig zu machen, damit es den Ort des Ausfalls aus eigener Kraft oder abgeschleppt schnell wieder verlassen kann“, erklärt Stabsfeldwebel R. Diesmal ist es für den GSIGefechtsschadeninstandsetzung fast ein Routinefall: Das Team muss lediglich das Rad des liegen gebliebenen „Fenneks“ wechseln. Jetzt ist das Fahrzeug wieder voll einsatzbereit.   

Mehrere Soldaten wechseln einen Reifen

Das Aufklärungsfahrzeug „Fennek“ wird wieder bereit für den Einsatz gemacht

Bundeswehr/Floyd Bott

Die „rollende Werkstatt“ im Detail

Ein Soldat überprüft sein Werkzeug

Der spezielle Aufbau des GSIGefechtsschadeninstandsetzung-Dingos macht ihn zu einer KfzKraftfahrzeug-Werkstatt – angepasst an die Bedürfnisse des jeweiligen Gefechtsfahrzeugs

Bundeswehr/Floyd Bott

Der GSIGefechtsschadeninstandsetzung-Dingo alias die „rollende Werkstatt“ ist immer nach kurzer Zeit am Ort des Geschehens. In seinem speziellen Aufbau verfügt er unter anderem über Schweißbrenner, Hebekissen, Kompressoren, Stromaggregate, Schlagschrauber und Schraubenschlüssel jedweder Art und Größe. Dabei ist GSIGefechtsschadeninstandsetzung nicht gleich GSIGefechtsschadeninstandsetzung: Je nach Operation und zu begleitenden Fahrzeugen führt der Dingo ein individuell angepasstes Ersatzteillager mit sich. Dieses befindet sich auf einem weiteren geschützten LKW. Es enthält unter anderem Ersatzreifen, Keilriemen, Filter und Batterien.

Mit vereinten Kräften hat das GSIGefechtsschadeninstandsetzung-Team das kaputte Rad des „Fenneks“ gewechselt und ihn wieder einsatzbereit gemacht. Stabsfeldwebel Sven R. verlässt mit seinen Fahrzeugen die Rundum-Sicherung des Spähtrupps, sodass dieser seinen Aufklärungsauftrag sicher fortsetzen kann.

Fazit: Der Gefechtsschaden-Instandsetzungstrupp ist mit seiner „rollenden Werkstatt“ sowie den Fähigkeiten seiner Soldatinnen und Soldaten ein entscheidender Faktor für die Mobilität – und damit für den Erfolg der Aufklärungskompanie.

Ein Einsatzfahrzeug fährt durch ein Dorf

Zum Erkunden von Wegen gehört auch das Aufklären von IEDs, denn sie stellen eine große Gefahr für jedermann dar

Bundeswehr/Michael Meiler


von Floyd Bott und Philipp Hoffmann

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