Jeden Tag neue Eindrücke

Ein besonderer EINSATZ als Reservist – Einsatztagebuchführer und Sprachmittler

Ein besonderer EINSATZ als Reservist – Einsatztagebuchführer und Sprachmittler

Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
4 MIN

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

Reservistendienstleistende sind ein fester und wichtiger Bestandteil der Bundeswehr. Im In- und Ausland unterstützen sie die Bundeswehr. Wir stellen einige von ihnen bei ihren spannenden Tätigkeiten in den verschiedenen Auslandseinsätzen vor.

Ein Soldat steht vor einer Wand zwischen zwei Flaggen und Holztafeln

Oberstleutnant Matthias M. ist 56 Jahre alt und arbeitet im deutschen Einsatzkontingent MINUSMAMission Multidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali

Bundeswehr/Marcus Schaller

Welchen Beruf üben sie in der Heimat aus und welchen hier im Einsatz?

Zwei Männer und eine Frau unterhalten sich miteinander

Seine guten französischen Sprachkenntnisse sind in Mali von Vorteil und kommen oft zum Einsatz

Bundeswehr/PAO MINUSMA

In meinem „anderen Leben“ bin ich selbstständiger Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei. In Gao, in Mali, bin ich als Einsatztagebuchführer beim deutschen Einsatzkontingent MINUSMAMission Multidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali eingesetzt. Darüber hinaus unterstütze ich aufgrund meiner guten Französischkenntnisse bei Bedarf meine Kameradinnen und Kameraden bei Gesprächen außerhalb des Camps. Ich begleitete beispielsweise bereits mehrfach das Team der Operativen Kommunikation, wenn Sie zu Radiostationen in der Region Gao gefahren sind. Als Einsatztagbuchführer dokumentiere ich die Ereignisse im Kontingent, damit diese nachgehalten werden können. Im Einsatzführungskommando werden diese Berichte ausgewertet und haben oft Einfluss auf zukünftige Entwicklungen oder Entscheidungen.

Warum machen Sie Reservistendienst bei der Bundeswehr und warum in den Einsätzen?

Den Reservistendienst sehe ich ähnlich einer ehrenamtlichen Tätigkeit. Bundeswehr ist das, was ich gelernt habe, im Gegensatz dazu beispielsweise Feuerwehr nicht. Meines Erachtens sollte sich jeder in irgendeiner Form für die Gemeinschaft engagieren. Ein Einsatz stellt für mich noch mal ein Mehr gegenüber dem üblichen Reservistendienst dar. Nicht zuletzt wird dadurch ein aktiver Soldat oder eine Soldatin, vielleicht mit Frau beziehungsweise Mann und Kindern, entlastet. Ein Einsatz dient ebenfalls der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Man lernt Bescheidenheit und sich wieder an kleinen Dingen zu erfreuen.

Für manche Arbeitgeber ist das Thema Freistellung für einen Reservistendienst ein schwieriges Thema. Warum?

Viele Menschen und Fahrzeuge an einer Kreuzung

Das Klima in Gao ist eine der größten Herausforderungen für die Soldatinnen und Soldaten im Einsatz

Bundeswehr/Marcus Schaller

Meines Erachtens ist das für den Arbeitgeber mehr eine Frage des „Wollens“ als des „Könnens“, seinen Arbeitnehmer freizustellen. Gerade bei großen Unternehmen sehe ich da keine Schwierigkeiten, deren Mitarbeiter gehen auch in den Urlaub oder können krank werden. Bei Kleinbetrieben kann ich diese Problematik nachvollziehen. Generell sollten die Entscheider bedenken, um was es bei dem Reservistendienst geht. Während der Pandemie und später bei der Hochwasser-Katastrophe waren viele Reservistendienstleistende im Einsatz und haben der Gemeinschaft aktiv geholfen.


Welche Herausforderungen gibt es zu Hause und im Einsatz?

Eine Herausforderung ist sicher, die Dinge des täglichen Lebens während der Abwesenheit zu organisieren sowie auf unvorhergesehene Ereignisse vorbereitet zu sein. Ein Plan B ist immer gut. Ausgesprochen hilfreich und wichtig dabei ist die Möglichkeit der Kontaktaufnahme mit Daheim. Im Einsatz können die Soldatinnen und Soldaten glücklicherweise über die Betreuungskommunikation der Bundeswehr den Kontakt zu den Lieben aufrechterhalten und mit ihnen in Verbindung bleiben. Manchmal genieße ich es aber auch etwas Ruhe zu haben.

Wie ist das Zusammenleben und –arbeiten mit den Soldatinnen und Soldaten?

Zwei Soldaten und ein Zivilist stehen vor einem Haus

Besuch bei einer Radiostation in der Nähe von Gao

Bundeswehr/Marcus Schaller

Das Zauberwort lautet Kameradschaft, gefolgt von gegenseitigem Respekt. Wird das gelebt, klappt sowohl das Zusammenleben als auch die Zusammenarbeit. Im Einsatz sind es die Kameradinnen und Kameraden auf die man sich verlassen muss und auf die man sich auch jederzeit verlassen kann. Ein Einsatz sorgt für ein besseres Verständnis für die anderen Bereiche in der Bundeswehr und erweitert den Horizont.

Welche Besonderheiten hat der Job im Einsatz, im Besonderen als Reservistendienstleistender?

Ein Soldat öffnet eine Schranke

Oberstleutnant Matthias M. während eines Wachdienstes bei der Einfahrt zum Flugbetriebsbereich

Bundeswehr/PAO MINUSMA

In manchen Belangen haben die aktiven Kameradinnen und Kameraden einen Wissensvorsprung, welchen es auszugleichen gilt. Ansonsten sitzen wir hier alle in einem Boot, wozu unter Umständen auch der Wachdienst gehört. Mit solchen Diensten, kann ich als Angehöriger des Stabes, die Truppe, die jeden Tag rausfährt, um aufzuklären und so für mehr Sicherheit zu sorgen, entlasten.

Mit rechtlichen Dingen brauche ich im Einsatz niemanden aushelfen, da es im Kontingent einen Rechtsberater gibt, der den Soldatinnen und Soldaten in diesen Dingen mit Rat zur Seite steht.

Welches sind die prägendsten Momente die sie nach Hause mitnehmen?

Das werde ich erst sagen können, wenn ich wieder zu Hause bin und die Zeit des Einsatzes reflektiere. Es gibt jeden Tag neue Eindrücke. Sofern es doch einen besonders prägenden geben sollte, hoffe ich inständig, dass es sich dabei um einen positiven handeln wird. Ansonsten gibt es Dinge die mich bewegen, wenn ich darüber nachdenke. Man trifft hier überall auf meist fröhliche ausgelassene Kinder. Ich vermeide es darüber nachzudenken, welche Perspektive sie haben. Da stellt sich leider kein gutes Gefühl bei mir ein.

Wie bewerten sie die Reservistentätigkeiten im Einsatz und in der Heimat?

Ein Soldat sitzt an seinem Computer

Oberstleutnant Matthias M. an seinem Computer. Das Schreiben des Einsatztagebuches ist eine wichtige Aufgabe.

Bundeswehr/Marcus Schaller

Ich ziehe eindeutig den Einsatz vor. Eine effektivere Art das Soldatenleben kennenzulernen gibt es kaum. Was die Kameradinnen und Kameraden in der Heimat tun hat ohne Zweifel einen hohen Stellenwert. Mit den Anforderungen eines Einsatzes ist das jedoch meiner Ansicht nach nicht zu vergleichen.


Würden sie es anderen Reservistendienstleistenden empfehlen einen Auslandseinsatz zu machen?

Viele Menschen in einem Garten

Die Bevölkerung ist trotz der Zustände in ihrem Land immer freundlich und höflich

Bundeswehr/Markus Schaller

Auf alle Fälle kann ich es jedem Reservistendienstleistenden nur empfehlen. Im Einsatz merkt man sehr schnell auf wen man sich verlassen kann. Auch inwieweit die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten zutrifft. Dies ist dem Dasein als Soldat sehr zuträglich und wirkt sich auch auf das Leben nach dem Einsatz aus. Es ist natürlich nicht jedem möglich in den Einsatz zu gehen. Wer allerdings die Möglichkeit dazu hat, sollte diese auch wahrnehmen.

von Matthias M.

Bei manchen Mobilgeräten und Browsern funktioniert die Sprachausgabe nicht korrekt, sodass wir Ihnen diese Funktion leider nicht anbieten können.

Mehr zum Thema