Militärpfarrer bei MINUSMAMission Multidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali: Auszeit in der Wüste
Militärpfarrer bei MINUSMAMission Multidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali: Auszeit in der Wüste
- Datum:
- Ort:
- Gao
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„Guten Morgen, liebe Kameradinnen und Kameraden! Ich begrüße euch zu unserem Gottesdienst.“ Pfarrer Linde eröffnet die sonntägliche Zeremonie. Vertraute Worte, welche die Soldatinnen und Soldaten in Gao jeden Sonntag um Punkt 10 Uhr von ihrem Pfarrer vernehmen – eine willkommene Abwechslung im Dienstalltag. Seit gut fünf Wochen ist der 43-Jährige jetzt in Nordmali. Für den Bundeswehreinsatz bei MINUSMAMission Multidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali hat er sich freiwillig gemeldet. „Ich finde, das gehört dazu“, erklärt der Pfälzer.
Zusammen mit seinem katholischen Pfarrhelfer Oberstabsfeldwebel Albert Josef Z. übernimmt Pfarrer Linde die Militärseelsorge für über 1.000 Soldatinnen und Soldaten im Camp Castor. „Aktuell bin ich der einzige Militärpfarrer hier. Die anderen Nationen haben bisher keinen eigenen“, berichtet der evangelische Pfarrer. Daher kommen nicht nur deutsche, sondern auch internationale Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Angehörige der Mission zum Gottesdienst. Oft ist das Kirchenzelt so gut besucht, dass zusätzliche Stühle im hinteren Bereich des Kirchenzeltes aufgestellt werden müssen, insbesondere in Anbetracht der geltenden Abstandsregeln aufgrund von Corona.
Ein besonderes Highlight ist die musikalische Unterstützung von Oberstabsfeldwebel L. aus Ingolstadt und den schwedischen Kameradinnen und Kameraden. „Sie singen schwedische oder englische Lieder während des Gottesdienstes und unterlegen besinnliche Momente mit ihrem Gitarrenspiel. Das sind wunderschöne Lieder, die unseren Gottesdienst bereichern“, freut sich Pfarrer Linde. Auf diese Weise bieten sie eine Auszeit inmitten des Arbeitsalltags in der Wüste.
Vom Vertrauen in der Ferne
Aus dem bayrischen Mittenwald kennt er bereits viele Kameradinnen und Kameraden der Gebirgsjägerbrigade 23, die mit ihm in Gao stationiert sind, ein Vorteil, der ihm die Arbeit und den Zugang zu den Kameradinnen und Kameraden erleichtert. Pfarrer Linde will für alle Soldatinnen und Soldaten im Einsatz, sowohl für die deutschen als auch für die internationalen, da sein und sie ein Stück des Weges begleiten. Manchmal gehören dazu auch traurige Ereignisse wie der plötzliche Tod eines geliebten Menschen. Auf solche Situationen ist er vorbereitet und kann Angehörigen das gute Gefühl vermitteln: „Ich bin bei dir.“
Erst kürzlich ist der Vater eines litauischen Kameraden verstorben. Da der Kamerad nicht zur Beerdigung nach Hause fliegen konnte, wurde ein Gedenkgottesdienst für den verunglückten Vater organisiert. Ein Sprachmittler übersetzte den Gottesdienst in die Landessprache des Kameraden. „Das war auch für mich eine neue Erfahrung“, berichtet der Pfarrer Linde. „Aber das Wichtigste war, dass wir dem Kameraden einen Raum und eine Möglichkeit zum Abschiednehmen anbieten und auf diese Weise die litauischen Partner unterstützen konnten. Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt, egal zu welcher Nation er gehört.“
Der Mensch im Mittelpunkt
Seit 2018 ist Markus Linde in der Militärseelsorge tätig. Eher zufällig kam er zur Bundeswehr. Bei seinem Vikariat, der praktischen Vorbereitung zum evangelischen Pfarrer, wollte er etwas Neues entdecken und bewarb sich bei der Bundeswehr. Die Kameradschaft, die Offenheit, mit der er empfangen wurde, und die Arbeit haben ihn vom ersten Moment an gefallen. Mittlerweile sei er beeindruckt von der Vielfalt an Spezialistinnen und Spezialisten im In- und Ausland.
„Viele Soldatinnen und Soldaten berichten mir von ihren fordernden Aufgaben, aber auch von ihrer intensiven Vorbereitung auf den Einsatz. Das finde ich spannend“, erzählt Pfarrer Linde. Auch für ihn ist es nicht die erste Verwendung im Ausland. Im Sommer 2019 war er bereits bei Enhanced Forward Presence in Litauen als Militärseelsorger eingesetzt. Der Familienvater empfindet die Arbeit im Einsatz dabei als sehr intensiv und fordernd. Der gebürtige Siegener berichtet: „Mich interessieren besonders die Menschen und ihre Lebensgeschichten.“
Rückendeckung aus der Heimat
Unterstützung bekommt der Pfarrer in Mali von seiner Frau und seinen drei Kindern aus der Heimat. Regelmäßig schicken sie ihm Päckchen und selbstgemalte Bilder, die er in seinem Büro und in seinem Container aufhängt. Er sei stolz darauf, wie sie die schwierige Situation zu Hause meistern, sagt er. „Meine Familie macht das wirklich klasse. Nur so kann ich mich hier voll und ganz auf die Arbeit konzentrieren und den Kameradinnen und Kameraden somit eine kleine Auszeit anbieten.“ So bewahrt Pfarrer Linde selbst bei durchschnittlich 42 Grad im Schatten stets einen kühlen Kopf.