Ein Tag mit der Transportgruppe auf den Straßen Malis
Ein Tag mit der Transportgruppe auf den Straßen Malis
- Datum:
- Ort:
- Bamako
- Lesedauer:
- 5 MIN
Die Transportgruppe der europäischen Ausbildungsmission (EUTMEuropean Union Training Mission) Mali ist häufig außerhalb des Camps unterwegs. Neuankömmlinge am Flughafen abholen, Soldatinnen und Soldaten von Koulikoro nach Bamako ins Hauptquartier fahren oder das aus Deutschland bestellte Material ins Koulikoro Training Center (KTCKoulikoro Training Center) transportieren. Um das Leben als Transportsoldatin und Transportsoldat in Mali sowie das Land selbst besser kennenzulernen, hat Hauptmann Markus B. einen Tag lang Transportsoldat Oliver P. begleitet.
Es ist morgens kurz vor zehn Uhr. Ich nehme meine Schutzweste, mein Gewehr, einen Rucksack mit ausreichend Wasser und begebe mich vor das Camp Gecko – das Camp des deutschen Kontingents im Ausbildungszentrum in Koulikoro. Heute ist ein besonderer Tag für mich. Ich bin als Beifahrer für die Fahrt zum Flughafen von Bamako eingeplant. Am Lenkrad des Lastkraftwagens Axor sitzt Oberstabsgefreiter Oliver P. Wir haben den Auftrag, das in Bamako am Flughafen eingetroffene Material nach Koulikoro in das Zentrum zu bringen.
Wir fahren das zweite Fahrzeug im sogenannten Marschpäckchen. Im ersten Fahrzeug, einem Eagle, sitzt der Transportgruppenführer Hauptfeldwebel Christian G. und führt den Transport an. Den Fahrer unseres Lkw, Oberstabsgefreiter Oliver P., kenne ich bisher nur vom Sehen. Er macht auf mich immer einen ruhigen und ausgeglichenen Eindruck. Da ich vom Verkehr in Bamako schon einiges gehört habe, bin ich gespannt, ob sich mein Eindruck über die nächsten fünf Stunden auf dem Transport bestätigen wird.
Die Betriebsamkeit Bamakos
Um Punkt zehn Uhr melden wir an die TOCTactical operation cell, das Tactical Operation Cell, Marschbeginn und verlassen mit unseren Fahrzeugen das Ausbildungszentrum. Seit ich vor ein paar Wochen in Mali gelandet bin, bin ich zwar schon mehrere Male zu Ausbildungen auf die Übungsplätze gefahren, heute aber das erste Mal wieder in Richtung Bamako.
Kurz nachdem wir das Camp verlassen haben, erzählt mir Oberstabsgefreiter Oliver P.: „Die Menschen hier sind immer in Bewegung.“ Er hat recht. Auch wenn die Landstraßen um Koulikoro herum noch relativ ruhig sind, herrscht in Bamako das Gegenteil – das Leben scheint sich komplett auf der Straße abzuspielen. Eine permanente Rushhour auf befestigten und unbefestigten Straßen. Von links und rechts überholen Mofas, Eselkarren transportieren Holz und Busse sind voller Menschen, Kinder spielen wenige Meter neben der Fahrbahn auf dem Sand Fußball und Frauen verkaufen am Straßenrand Obst.
Mehrere Transporte pro Woche
Das Getümmel, das sich auf den Straßen abspielt, scheint Oberstabsgefreiten Oliver P. nicht im Geringsten zu beeindrucken. Souverän folgt er unserem Führungsfahrzeug. Oliver P. ist schon fünf Monate hier. Er hat den Verkehr anscheinend zur Genüge kennengelernt, um nicht leicht aus der Fassung zu geraten.
Während der Fahrt unterhalten wir uns. Oliver P. fährt mehrmals pro Woche für das Kontingent, meistens in der Region Koulikoro und oftmals auch mit anderen Nationen gemeinsam. „Letzte Woche sind wir zusammen mit den luxemburgischen Einsatzkräften und der spanischen Force Protection gefahren. Da hätten Sie Fotos machen sollen!“ Ich kann seine Begeisterung gut nachvollziehen. Multinationale Transporte mit einer großen Anzahl an Fahrzeugen sind organisatorisch herausfordernd, aber auch sehr beeindruckend.
Angekommen am Flughafen
Am Flughafen von Bamako angekommen, fahren wir durch drei gesicherte Tore zum militärischen Abschnitt des Geländes. Die Anlage überrascht mich ein wenig. Ich kenne nur die Flughäfen in Europa und den Vereinigten Staaten. Hier am Flughafen stehen auf der einen Seite die modernen und funktionsfähigen Flugzeuge, mit einem davon bin ich ebenfalls gelandet. Einige hundert Meter davon entfernt scheint ein Flugzeugfriedhof entstanden zu sein. Hubschrauber ohne Rotor liegen neben ausgesonderten und verrosteten Flugzeugen und ich frage mich, wo in Deutschland alte Flugzeuge ihre letzte Ruhestätte finden. In Bamako offensichtlich direkt am Flughafen.
„Beladen, Verzurren und Abmarsch!“
Als wir in die Lagerhalle kommen, stehen die Boxpaletten schon für die Beladung unseres Axors bereit. Die Kisten sind genau beschriftet. In dieser Halle wird nicht nur das Material für das Ausbildungszentrum Koulikoro umgeladen, sondern auch das Material für die Beratungsteams der malischen Armee in Bamako sowie für die Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Gao im Norden Malis.
„Wir können maximal fünf Tonnen beladen, der Rest muss auf den Eagle“, erklärt mir Oberstabsgefreiter P. Die Kisten sind mit Ladelisten und Gewicht genau beschriftet. Heute ist zum Glück kein Gefahrgut dabei, sonst müssten wir noch einmal genauer prüfen, ob es mitgenommen werden darf. Nachdem alles kontrolliert ist, kommen auch schon die Soldatinnen und Soldaten vom Umschlagszug mit ihrem Gabelstapler und beladen zusammen mit dem Oberstabsgefreiten P. unser Fahrzeug. Als die Kisten aufgeladen sind, verzurren wir alles über die Ösen im Boden. Oliver P. nimmt als Transportsoldat regelmäßig an Weiterbildungen in der Ladungssicherung teil. Schließlich möchte keiner eine Boxpalette von der Ladefläche herunterfallen sehen.
Spielende Kinder an der Tankstelle
Nachdem unser Axor fertig beladen und das Material verzurrt ist, rollen wir wieder los in Richtung Koulikoro. Sobald wir die Ruhe und Ordnung der Umschlaghalle verlassen haben, finden wir uns im Trubel von Bamako wieder. Zum Glück kommen wir flott durch die Stadt und scheinen dem Feierabendverkehr enteilt zu sein.
„Bevor wir die Fahrzeuge abstellen, müssen wir noch kurz in Koulikoro tanken“, stellt Oliver P. fest. In der Region gibt es einige geprüfte Tankstellen, bei denen das Kontingent seine Fahrzeuge betanken darf. Als wir an einer der Tankstellen anhalten, sammeln sich direkt einige Kinder um uns herum, um das „Spektakel“ zu begutachten. Sie winken uns zu, als wir in Richtung Ausbildungszentrum weiterfahren.
Für mich geht ein spannender Tag zu Ende, mit vielen Eindrücken und mit mehr Respekt für die Kameradinnen und Kameraden der Transportgruppe, die auf den Straßen Malis bei jedem Verkehr dafür sorgen, dass der Ausbildungsbetrieb materiell aufrechterhalten werden kann. Und die trotz größtem Verkehrschaos nicht die Ruhe verlieren – genau wie Oberstabsgefreiter Oliver P.